Zeitzeuge Prof. Dr. Wilfried Eckey erinnert sich

23.04.2008

1968 in Wuppertal

Zeitzeuge Prof. Dr. Wilfried Eckey erinnert sich

Prof. Dr. Wilfried Eckey bei seinem Vortrag in der Elberfelder CityKirche. Prof. Dr. Wilfried Eckey bei seinem Vortrag in der Elberfelder CityKirche.

Die Ringvorlesung "1968 – vierzig Jahre danach: Erinnerungen und Bewertungen" in der Elberfelder CityKirche ist mit einem Vortrag des ureigensten Zeitzeugen der Bergischen Universität fortgesetzt worden, dem evangelischen Theologen Prof. Dr. Wilfried Eckey, im legendären Jahr 1968 Rektor der Pädagogischen Hochschule Rheinland mit Standorten in Aachen, Bonn, Köln, Neuss und Wuppertal. Er berichtete aus seinen Erinnerungen und beleuchtete die Ereignisse von 1968 u.a. im Fokus der Geschichte der PH Rheinland.

Prof. Eckey erinnerte an Renate Riemeck, Professorin für Germanistik und Geschichte an der PH Rheinland, Abteilung Wuppertal, der wegen linker Ansichten 1960 von der Landesregierung die Prüfungserlaubnis entzogen wurde. Das habe, so Eckey, für den ersten Sitzstreik Studierender in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gesorgt.

Das große Interesse von Schülern und Studenten an Informationen über die Nazi-Zeit in den 60er Jahren sei, so die Einschätzung Eckeys, nach 1968 deutlich weniger geworden. "Die Studentenbewegung begann unpolitisch in der ersten Hälfte der 60er Jahre", stellte Eckey fest. Die Politisierung sei durch eine studentische Minderheit erfolgt, in Wuppertal sei maßgeblich Wolfgang Abendroth (Politologe und Rechtswissenschaftler, 1906-1985) für die Politisierung verantwortlich gewesen.

Der Tod von Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 habe auch in Wuppertal für Studentendemonstrationen, besonders an der Werkkunstschule am Haspel. Zum Sommersemester 1968 sei es an der Wuppertaler Abteilung der PH Rheinland zu einer Koalition des CDU-nahen Rings Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) mit dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) gekommen, um mehr Mitspracherechte für die Studierenden durchzusetzen. Diese Koalition sei aber nach einem Semester zerbrochen. Studentische Proteste habe es in Wuppertal 1968 kaum gegeben, Ansätze durch "geschickte Taktik der Hochschulleitung", so Prof. Eckey, im Keim erstickt worden.

Zum Beginn des WS 1969/70 wurde die PH Rheinland vom damaligen AStA in "Friedrich-Engels-Hochschule" umbenannt. Prof. Eckeys Rückblick: "Für heutige Studierende ist die '68er-Revolution ein kleines und kaum noch bekanntes Stück Vergangenheit. Die heutigen Studierenden sind wenig politisch, sondern aufs leider zu sehr verschulte Studium konzentriert."

Über "1968 und die Auswirkungen auf die Musik" spricht am kommenden Montag, 28. April, Prof. Dr. Peter Wicke von der Humboldt-Universität Berlin. (mehr )

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