08.07.2009
2,8 Millionen für die Wuppertaler Teilchenphysik
Für Arbeiten am ATLAS-Detektor des Large Hadron Colliders LHC am CERN
Prof. Dr. Christian Zeitnitz (links) und Prof. Dr. Peter Maettig mit dem Modell eines Elementes aus dem ATLAS-Pixeldetektor.Fotos Maren Wagner
Mit 2,8 Millionen Euro fördert das Bundesforschungsministerium in den nächsten drei Jahren die Gruppe der Wuppertaler Teilchenphysiker um Prof. Dr. Peter Mättig, Prof. Dr. Christian Zeitnitz und Prof. Dr. Wolfgang Wagner. Damit kann die erfolgreiche Arbeit am ATLAS-Detektor der größten Forschungsmaschine der Welt, des Large Hadron Colliders (LHC) am Europäischen Zentrum für Teilchenphysik CERN in Genf, fortgeführt werden. Außerdem wird das weltweite Rechnerverbundssystem GRID weiter entwickelt. Mit Beginn der neuen Förderperiode übernimmt Prof. Mättig zudem die Funktion des Sprechers des Forschungsschwerpunktes „101 ATLAS“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).
Prof. Dr.
Wolfgang Wagner.
Seit mehr als zehn Jahren werden – gefördert mit inzwischen insgesamt 10 Mio. Euro – an der Bergischen Universität wichtige Teile des ATLAS-Experiments entwickelt und gebaut. Vor zwei Jahren wurden sie ans CERN nach Genf gebracht und in das Experiment eingebaut. Jetzt wollen die Wuppertaler Physiker die Früchte ihrer Arbeit einfahren, denn Ende dieses Jahres soll der LHC mit der Aufnahme der Daten beginnen. Das Supermikroskop erlaubt es, Verhältnisse herzustellen, die einen winzigen Bruchteil einer Sekunde nach dem Urknall herrschten und die fundamentalen Teilchen und Kräfte zu untersuchen, die in einem Bereich von 1/1000stel eines Wasserstoffkerns herrschen.
Die jetzt bereitgestellten Mittel des Bundesforschungsministeriums ermöglichen es den Wuppertaler Physikern, wesentlich zu dem gigantischen Forschungsprojekt am CERN beizutragen. Die Wissenschaftler der Bergischen Universität werden sich auf das schwerste aller Elementarteilchen, das Top Quark, konzentrieren. Prof. Mättig: „Das Top Quark hat keine Ausdehnung, es ist ein Punkt, gegen den Atome Riesen sind, aber so schwer wie ein Goldatom. Wieso ein solch strukturloses Teilchen so schwer sein kann, ist das große Rätsel, das am LHC gelöst werden muss. Die berühmte Einsteinsche Formel E = mc², die das Gewicht des Goldatoms erklärt, ist hier nicht anwendbar. Es muss also etwas völlig Neues existieren.“
Um die – für atomare Verhältnisse – riesige Masse des Top Quark zu erklären, müssen daher ganz neue physikalische Gesetzmäßigkeiten gefunden werden. Diese Untersuchungen erfordern einen äußerst effizienten Umgang mit den riesigen Datenmengen des ATLAS-Experiments. Dazu haben die LHC-Physiker einen weltweiten Rechnerverbund, das Computing Grid, entwickelt. Die Wuppertaler Gruppe ist mit ihrem Grid-Zentrum und einer Expertise in Software-Entwicklung führend beteiligt. In vier Jahren soll der innerste Teil des ATLAS-Detektors, der Pixeldetektor, verbessert werden. Dafür entwickeln die Physiker der Bergischen Universität, auch in Zusammenarbeit mit regionalen Firmen, ultraleichte Kohlenstoffstrukturen und forschen an einer schnelleren Übertragung der aufgenommenen Daten.
Zugleich mit Beginn der neuen Förderungsperiode wird Prof. Mättig Sprecher des BMBF-Forschungsschwerpunktes „101 ATLAS“, in dem alle an ATLAS beteiligten deutschen Institute zusammenarbeiten: 13 Universitäten, das Max‐ Planck Institut für Physik in München und das Deutsche Elektronen-Synchroton (DESY) in Hamburg. Prof. Mättig: „Vor uns liegt eine ungemein spannende Phase! Denn in den nächsten Jahren erwarten wir einen neuen und grundlegenden Schritt in der Erkenntnis, wie die Natur im Innersten aufgebaut ist. Wir Wuppertaler Physiker sind stolz darauf, dass wir als Teil einer weltweiten Zusammenarbeit wesentlich zu ATLAS beigetragen konnten. Wichtig waren dabei auch die hervorragenden Leistungen unserer Studenten.“ In den vergangenen Jahren sind in diesem Zusammenhang allein 20 Doktorarbeiten und 30 Diplomarbeiten entstanden!
Kontakt:
Prof. Dr. Peter Mättig
Telefon 0202/439-2761
maettig@cern.ch
Prof. Dr. Christian Zeitnitz
Telefon 0202/439-3088
zeitnitz@physik.uni-wuppertal.de
