01.12.2009
Seit 10 Jahren Bedenken gegen Bologna
Philosophischer Fakultätentag an der Bergischen Uni (v.l.n.r.): Prof. Dr. Gerrit Walther, Dekan Fachbereich Geistes- und Kulturwissenschaften, Rektor Prof. Lambert T. Koch, Staatssekretär Dr. Michael Stückradt, Prof. Dr. Gerhard Wolf, Vorsitzender des Philosophischen Fakultätentages, Prof. Dr. Michael Sachs, Universität Köln, und Prof. Dr. Wolfgang Orth.Foto Michael Mutzberg
In der sechzigjährigen Geschichte des Philosophischen Fakultätentages hat dessen Plenarversammlung erstmals in Wuppertal stattgefunden. Zum Fakultätentag an der Bergischen Universität waren Delegierte der geisteswissenschaftlichen Fakultäten und Fachbereiche aus zahlreichen deutschen Universitäten zusammengekommen. Schwerpunktthemen waren das NRW-Hochschulfreiheitsgesetz, Probleme im Zusammenhang mit der Neuordnung der Studiengänge (Bologna-Prozess) und das Promotionswesen. Vor dem Hintergrund der studentischen Proteste der letzten Wochen wurde eine "Wuppertaler Erklärung" verabschiedet, die Schwächen in der Umsetzung des Bachelor-/Master-Studienmodells aufzeigen soll und konkrete Verbesserungsvorschläge formuliert. Der Wuppertaler Historiker und Gastgeber Prof. Dr. Wolfgang Orth: „Der Philosophische Fakultätentag hat bereits seit zehn Jahren immer wieder Einwände gegen die Reform geltend gemacht. Bis vor kurzem sahen sich freilich Kultusminister und Hochschulrektorenkonferenz außerstande, unserer Kritik Rechnung zu tragen.“
Die Geisteswissenschaften sähen mit Sorge, wie das Herzstück des universitären Systems, die Promotion, immer mehr in den Sog des Bachelor-Master- Studiengangs gerate. Unangemessene Verschulung und auch thematische Einengungen drohen nach Ansicht des Philosophischen Fakultätentages den wissenschaftlichen Nachwuchs zu strangulieren. Auch zu diesem Thema wurde eine Resolution verabschiedet. Danach hält der Philosophische Fakultätentag daran fest, dass ungeachtet der Ausbreitung von Graduiertenkollegs und Graduiertenschulen auch in Zukunft die von einem einzelnen Hochschullehrer betreute Promotion wichtig bleiben werde.
Zur Tradition des Fakultätentages gehört, dass immer auch die Universität und die Stadt, in denen die Tagung stattfindet, in den Blick gerückt werden. Besonderheiten der Region konnten bei einem Rundgang durch die Elberfelder Nordstadt und bei einer Führung durch das Engelshaus und Museum für Frühindustrialisierung in Barmen vermittelt werden.
Im Juni 2010 wird der Philosophische Fakultätentag zu seiner nächsten Plenarversammlung in Greifswald zusammenkommen.
Wuppertaler Erklärung im Wortlaut
Resolution zur Promotion in den Geisteswissenschaften im Wortlaut
Kontakt:
Prof. Dr. Wolfgang Orth
Telefon 0202/439-2268
E-Mail orth2@uni-wuppertal.de
