Was Casting, Talkshows
und die Uni-Pressestelle gemeinsam haben
Portrait, geschrieben für das Magazin des Gleichstellungsbüros der Bergischen Universität; erschienen im magazIN Sommersemester 09; aktualisiert fürs Web im Februar 2012.
„Der treueste Freund des Menschen ist der Teddybär“. Das war einer der ersten Sätze, die ich von mir in der Zeitung gelesen habe. Im Frühjahr 1993 in der Bochumer Lokalausgabe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Der Besuch einer Teddybärausstellung war die erste große Aufgabe während meines zweiten Praktikums in der Medienwelt. Erste praktische Erfahrungen hatte ich bereits beim Bochumer Lokalradio Ruhrwelle gesammelt mit Beiträgen über Tiersuchmeldungen, Landurlaub und die Broschüre „Sterben macht Erben“.
Nicht besonders spannend? Für mich schon. Die morgendlichen Redaktionskonferenzen, bei denen ich mitbekam, was in meiner Stadt wirklich alles passierte; das Recherchieren, bei dem ich erfuhr, dass viele Sachen gar nicht so spannend sind, wie gut gemeinte Pressemitteilungen und -einladungen glauben machen wollen; das Sammeln von Informationen vor Ort, um dem Leser oder Hörer etwas Neues und Spannendes zu bieten; schließlich das Formulieren der mitgebrachten Infos, Eindrücke und Statements zu einem „runden“ Beitrag in der Redaktion, immer mit dem drohenden Redaktionsschluss im Nacken, beim Radio aber auch mit dem Spaß verbunden, im Studio Texte selber einsprechen und O-Töne schneiden zu dürfen.
Nach Zeitung und Radio zog es mich schließlich zu einer Filmproduktionsfirma, wo ich vor allem das termingenaue Organisieren lernte, das Wann-Wer-Wo-Womit-und-Wozu zu sein hat, und dass man dazu unbedingt eine „Dispo“ (Disposition) braucht, damit später niemand sagen kann, „Ich hab‘ von nichts gewusst“. Zeit ist Geld, und das auch – oder vor allem – in den Medien.
Die Medien. Wie bin ich überhaupt da hinein geraten?
Nach meinem Abitur 1991 war mir – nicht sofort, aber immerhin bald – klar, dass ich „irgendwas mit Medien“ machen wollte. Einen Berufswunsch, den vor und mit mir, aber vor allem nach mir immer mehr Jugendliche hatten und haben. Die Zahl der Studierenden in Medien-Studiengängen hat sich in den vergangenen Jahren nahezu verdoppelt.
Ich las jeden Morgen Zeitung (die WAZ), hörte tagsüber Radio (WDR 2 und Ruhrwelle Bochum), zappte mich durch sämtliche Fernsehprogramme und ging gerne ins Kino. Mediennutzung bestimmt einen großen Teil unseres Alltags. Schön also, wenn man dieses Hobby auch zum Beruf machen kann. Ich zumindest beschloss, „irgendwas mit Medien“ zu studieren – und zwar in Form des Magister-Studiengangs Publizistik und Kommunikationswissenschaft in meiner Heimatstadt Bochum.
„Und was kannst Du damit später machen?“ Eine häufig gestellte Frage von Verwandten und Freunden, die mich ärgerte, schließlich kannte ich die Antwort darauf selbst (noch) nicht. Andererseits trieb sie mich dazu, herauszufinden, was ich machen könnte, außer eine kritische Zeitungsleserin, Radiohörerin und Fernsehzuschauerin zu werden, die sich mit Theorien zur Medienwirkung auskannte.
Die Uni machte aus meinen Kommilitonen und mir keine Starreporter oder -moderatoren. „Was Sie bei uns bekommen, ist eine akademische Ausbildung, keine Berufsausbildung!“ Darauf wiesen uns die Professoren immer wieder hin und empfahlen, Praktika bei Medien zu absolvieren. Einen Rat, den ich in mehrere Taten umsetzte, um herauszufinden, welches Medium es denn nun für mich sein sollte.
Nach meinen Praktika schien mir das Fernsehen aufgrund seiner Vielseitigkeit am interessantesten. Ich belegte immer mehr „Fernseh“-Seminare und schrieb meine Magisterarbeit über das Thema „Frauen beurteilen Fernsehen. Eine qualitative Studie zur Rezeption des Frauenmagazins ‚Anna Doubek – Das Magazin’ des ersten deutschen Frauenfernsehsenders TM3“.
Sieben Tage nach meiner Magisterprüfung im Dezember 1997 landete ich durch Zufall – ich hatte eine Zeitungsanzeige einfach nicht richtig gelesen – in der Casting-Abteilung einer großen Kölner Fernsehproduktionsfirma, zunächst als Praktikantin, dann als freie Mitarbeiterin. Meine Aufgabe: Die Betreuung von Kandidaten bei Quiz- und Spielshows. Wir Casting-Mitarbeiter bereiteten die Kandidaten auf ihren Auftritt vor, erklärten ihnen die Spielregeln und das vom Sender gewünschte Verhalten vor der Kamera. Während der Aufzeichnung im Studio standen wir neben der Kamera und motivierten unsere Kandidaten zu lächeln, zu winken und Spaß zu haben. Die ein oder andere Kamera ist mir bei diesem Job über den Fuß gefahren ...
Im Herbst 1998 wechselte ich die Firma und wurde Casting-Redaktionsassistentin für „Die ARD-Lotto Show“. Meine Hauptaufgabe in unserer kleinen Kölner Zwei-Frau-Redaktion waren zunächst die „Strohkandidaten“: Ich sollte Leute finden, die bei den dreitägigen Proben für die Live-Show die Rolle der richtigen Kandidaten und Show-Acts übernahmen. Während der Proben in den Bottroper Studios musste ich die Strohkandidaten – zumeist Studenten – motivieren, an langen Arbeitstagen immer wieder witzige Antworten auf die Fragen der Moderatorin zu geben, immer wieder das gleiche Spiel zu machen, immer gut gelaunt auszusehen, aber sich ansonsten still zu verhalten, um Regisseure und Redakteure, Kameraleute und Bühnenbauer, Beleuchter und Techniker nicht bei der Arbeit zu stören.
Zwischen den einzelnen Shows war es Aufgabe unserer Redaktion, Kandidaten aus Nordrhein-Westfalen und angrenzenden Bundesländern zu finden. Nach Recherchen bei Berufsverbänden, in Vereinen und Firmen luden wir die potentiellen Kandidaten zu Castings ein – in unsere Redaktion, aber auch in Tagungsräume, Turnhallen und Kaufhäuser. Ich interviewte Familienväter und alleinerziehende Mütter, Chirurgen und Müllmänner, Bodybuilder und Schachspieler über ihre Hobbys und besonderen Fähigkeiten, Berufe und Familiengeschichten.
Nach drei Jahren im Casting-Geschäft war ich Leiterin unserer inzwischen auf vier Frauen angewachsenen Redaktion. Wir hatten immer nur kurzfristige Verträge, die jederzeit aufgelöst werden konnten, wenn unsere Shows – aufgrund mangelnder Einschaltquoten – eingestellt würden. Ich beschloss, mich beruflich zu verändern oder besser: weiterzuentwickeln, zumal ich das Gefühl hatte, alle spannenden Hobbys und interessanten Familiengeschichten schon mal gehört zu haben.
In den letzten Monaten meiner Casting-Tätigkeit (Anfang des neuen Jahrtausends) hatten wir immer mehr auch über das Internet recherchiert. Ich war erstaunt, was man alles – und vor allem wie schnell – herausfinden konnte. Ich beschloss, mich näher mit dem Medium Internet auseinanderzusetzen, das während meiner Studienzeit noch keine Rolle gespielt hatte.
Im Frühjahr 2001 begann ich eine Vollzeit-Ausbildung zur „Multimedia-Publisherin“ am Deutschen Institut für Publizistische Bildungsarbeit, Journalistenzentrum „Haus Busch“, in Hagen. Von Journalisten lernten wir dort Recherchieren und journalistisches Schreiben, vor allem das spezielle Schreiben fürs Internet. Fotografen und Designer vermittelten uns Typografie, Screen-Design, digitale Bildfotografie und -bearbeitung sowie den Umgang mit einschlägiger Software. Auch die „Sprache“ HTML, mit der Textinhalte, Bilder und Links im WorldWideWeb dargestellt werden, sowie Projekt-Konzeption und -Realisierung lernten wir von ausgewiesenen Fachleuten.
Zu der Ausbildung gehörten zwei Praktika, die ich in der Pressestelle der Bergischen Universität absolvierte. Ich hatte noch nie in einer Pressestelle gearbeitet und wollte diese scheinbar „andere Seite“ der Medienarbeit kennen lernen: Aus Pressestellen stammen die meisten Informationen in Zeitungs- und Radioredaktionen; in Pressestellen riefen wir auf der Suche nach unseren Kandidaten an. Gerade Universitäts-Pressestellen hatte ich auf der Suche nach „Strohkandidaten“ immer wieder gebeten, unsere Flyer aufzuhängen. Ob ich jemals die Pressestelle der Bergischen Universität angerufen habe, kann ich nicht mehr sagen, ich weiß nur, dass wir heute täglich mit der Bitte um das Aushängen von Plakaten und Verteilen von Flyern konfrontiert werden.
Nach Abschluss meiner Ausbildung im Frühjahr 2002 machte mir Michael Kroemer, der langjährige Pressereferent der Universität, das Angebot, als Wissenschaftliche Hilfskraft den ersten eigenen Internet-Auftritt der Pressestelle zu konzipieren und umzusetzen. Im Herbst 2002 bot mir der damalige Rektor der Uni, der Soziologe und Politologe Prof. Dr. Volker Ronge, eine halbe Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Soziologie an mit der Möglichkeit zur Promotion. Meine praktische Arbeit an der Homepage der Pressestelle (www.presse.uni-wuppertal.de) wollte ich aber nicht aufgeben und arbeitete schließlich neben meiner halben Stelle in der Wissenschaft zehn Stunden die Woche in der Pressestelle.
So waren meine Tage an der Uni in den darauffolgenden fünf Jahre zweigeteilt. Vormittags arbeitete ich im Lehr- und Forschungsgebiet „Allgemeine Soziologie mit dem Schwerpunkt makro-strukturelle Analyse der Gesellschaft“ an meiner Dissertation „Die politische Talkshow – ein Medium politischer Bildung?“ und bot Seminare an zu Themen wie „Mediale Informationsvermittlung im Zeitalter der Unterhaltung“, „Die Mediengesellschaft und ihre Folgen für die politische Kommunikation“ oder „Politische Bildung und massenmediale Politikvermittlung“.
Nachmittags ging ich dann als Online-Redakteurin in die Pressestelle. Dort betreute ich nicht nur den Internetauftritt der Pressestelle, sondern konzipierte auch Webauftritte für Veranstaltungen der Universität wie den Tag der Forschung oder den Tag der offenen Tür. Darüber hinaus fielen Konzeption, Gestaltung und redaktionelle Betreuung der Homepage der Gesellschaft der Freunde der Bergischen Universität (www.gfbu.uni-wuppertal.de) in meinen Aufgabenbereich.
Neben meiner Tätigkeit als Online-Redakteurin erledigte ich auch andere journalistische und organisatorische Arbeiten in der Pressestelle: die Redaktion von Pressemitteilungen für regionale und überregionale Medien, für die Bergischen Blätter, das UNI MAGAZIN und die Homepage sowie das Herstellen von Kontakten zwischen Medienvertretern und Wissenschaftlern. 2006 wurde ich Stellvertreterin des Pressereferenten und meine wöchentliche Arbeitszeit von zehn auf zwölf (!) Stunden aufgestockt.
Ab Herbst 2007 war ich mit dem Relaunch der Pressestellen-Homepage beschäftigt, die seit Februar 2008 auf dem Redaktionssystem p@blish basiert und sich am Design der neuen Universitäts-Homepage orientiert. Seitdem bin ich auch Mitglied einer Arbeitsgruppe, die sich um die weitere Optimierung der Uni-Homepage bemüht. Seit Freischaltung der neuen Homepage zählt zu meinen Aufgaben nicht nur die Aktualisierung des „News“-Contents, sondern auch die redaktionelle Betreuung des Bereiches 01 (Universität & Campus).
Im Februar 2008 endete mein Vertrag als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Bildungs- und Sozialwissenschaften. Mitte März reichte ich meine Dissertation ein, im Oktober fand meine Disputation statt, und im November erhielt ich die Urkunde über meine mit „magna cum laude“ abgeschlossene Promotion. Damit war mein wissenschaftlicher Weg zu einem Ende gekommen. Mein beruflicher Weg mit der Wissenschaft aber nicht, denn im März 2008 bekam ich eine halbe Stelle in der Pressestelle, seit Juli arbeite ich Vollzeit.
In der Pressestelle der Bergischen Universität sind zurzeit sieben Mitarbeiter beschäftigt: Pressereferent Michael Kroemer, Friederike von Heyden, Eva Noll, Janine Dietz, Luiza Maria Budner, Jan Bornholz und ich.
Die gelernte Diplom Kommunikations- und Marketingwirtin Friederike von Heyden ist seit 2006 halbtags in der Pressestelle tätig und als Assistentin des Pressereferenten nicht nur für alles Organisatorische verantwortlich, sondern auch für die grafische Gestaltung und Umsetzung der Uniseiten in den vierzehntägig erscheinenden Bergischen Blättern sowie der Gestaltung des UNI MAGAZINs und des Forschungsmagazins OUTPUT. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes ist sie zurzeit in Elternzeit.
Seit 2010 verstärkt Eva Noll, M.A., unser Team. Sie ist die Digital-Signage-Redakteurin der Bergischen Universität. Nach ihrem Studium der Theaterwissenschaft, Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft war sie Medienredakteurin in der Lexikonredaktion des Brockhaus-Verlags sowie Online-Redakteurin für "Brockhaus online" bzw. "Meyers Lexikon online". In der Uni-Pressestelle recherchiert die gebürtige Marburgerin jetzt Termine, Themen und Informationen für die Digital-Signage-Plattform, bearbeitet die Infos redaktionell und ist Ansprechpartnerin für Fachbereiche und Zentrale Einrichtungen, die ihre Termine und Meldungen auf der Plattform veröffentlichen möchten.
Janine Dietz, Studentin der Germanistik, Politikwissenschaft sowie Kunst- und Designwissenschaften, unterstützt uns seit Ende 2009 als Studentische Hilfskraft. Zunächst war sie verantwortlich für den wöchentlich erscheinenden Pressespiegel, zurzeit vertritt sie Friederike von Heyden als Assistentin des Pressereferenten.
Luiza Maria Budner, Lehramts-Studentin, und Jan Bornholz, Student der Sicherheitstechnik, sind unsere „Fachleute“ für den Pressespiegel. Als Studentische Hilfskräfte sichten sie jeden Tag fünf Tageszeitungen aus der Region (Westdeutsche Zeitung, Remscheider General-Anzeiger, Bergische Morgenpost, Solinger Tageblatt, Solinger Morgenpost), dazu FAZ und Süddeutsche, Wochenzeitungen und Magazine wie ZEIT, Spiegel und Stern, aber auch die Anzeigenblätter Wuppertaler Rundschau, Ronsdorfer Sonntagsblatt und Lüttringhauser Anzeiger – immer auf der Suche nach Artikeln mit Bezug zu unserer Universität.
Über ihre eigentlichen Arbeitsgebiete hinaus haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pressestelle ein offenes Ohr für Anfragen von Journalisten auf der Suche nach kompetenten Wissenschaftlern zu diversen Themen, stellen Kontakte her und leiten Informationen und Anfragen der verschiedenen Uni-Abteilungen an Michael Kroemer und mich weiter.
Ein bisschen Casting bleibt immer. Ein bisschen Talkshow auch.
