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Demokratie in der Krise:
Pankaj Mishra hielt seine Antrittsvorlesung in Wuppertal

Zerrüttung im Herzen der Moderne: In vielen Ländern haben gewählte Demagogen das Sagen, es herrschen Misstrauen gegenüber der Politik und Angst vor Veränderungen. Wie sind diese Entwicklungen zu erklären? Diese Frage stand im Zentrum der Antrittsvorlesung von Pankaj Mishra an der Bergischen Universität. Der indisch-englische Schriftsteller und Gesellschaftstheoretiker ist Inhaber der zweiten „Dr. Jörg Mittelsten Scheid-Gastprofessur“ und bis September zu Gast in Wuppertal.

Pankaj Mishra (Mitte) mit Prof. Dr. Cornelia Gräsel (Prorektorin für Internationales und Diversität) und Prof. Dr. Peter Imbusch (Dekan der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften)
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Foto Stefanie Bergel

In seinem Vortrag nahm er seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine Reise ins Indien der 1980er Jahre. Dort – so Mishra – habe er verstanden, welche Rolle Emotionen für die Demokratie spielen. „Mein Bachelorstudium absolvierte ich in Allahabad. An der Universität herrschte nicht länger die grausame Hierarchie vergangener Zeiten; alle Studierenden waren auf den ersten Blick gleich – unabhängig von Religion oder Kaste.“ Trotzdem konnte er beobachten, wie unsichere soziale Gruppen versuchten, ein Gefühl der Stabilität zu erreichen. Und zwar, indem sie andere Gruppen dominierten und degradierten. „Viele empfanden beispielsweise Hass auf Englisch sprechende Bürokratinnen und Bürokraten mit Abschlüssen aus Oxford, Cambridge oder den USA“, erinnerte sich der Schriftsteller. „Und ich erlebte Demokratie als einen Wettstreit verschiedener Kräfte, der Gefühle von Neid und Eifersucht schürte.“

Dieser Mix an Emotionen – Mishra spricht von Ressentiments – habe sich inzwischen zu einem globalen Phänomen entwickelt. „Wir leben in einer Welt, die Gleichheit verspricht. Es ist aber unmöglich, diese Gleichheit zu erreichen“, erklärte er. „Ihr gegenüber steht eine Ungleichheit, die u.a. Ausdruck findet in sozialem Status oder verschiedenen Gehaltsklassen.“ Die ständige Kollision dieser beiden Pole führe zu den Spannungen und Konflikten, über die wir täglich in den Medien lesen würden. Die Folge in den Augen des Gesellschaftstheoretikers: Demokratie sei überall instabil geworden, ihre Idee der Gleichheit habe sich als katastrophaler Erfolg entpuppt.

Eine konkrete Lösung für dieses Dilemma sei schwierig, betonte Mishra. Zum Abschluss seiner Antrittsvorlesung sagte er: „Die aktuelle Situation ruft nach einer fundamentalen Transformation. Viele Dinge müssen neu gedacht werden.“

Wer mit dem Schriftsteller diskutieren möchte, welche Dinge das sind, hat in den kommenden Wochen und Monaten Gelegenheit dazu: Während seines Aufenthaltes in Wuppertal finden eine Reihe von öffentlichen Veranstaltungen statt, bei denen Gäste herzlich willkommen sind:

  • 26.04.2018 – Stadt-Vorlesung Resentment and Anger – Defining Features of the World in the 21st Century?
    (19.00 Uhr, CityKirche, Elberfeld)
  • 06.06.2018 – Fakultätsvorlesung Thinking of the West in the Post-Western World
    (17.00 Uhr, Campus Grifflenberg, Gebäude I, Hörsaal 26)
  • 08.06.2018 – Workshop The Remaking of Asia as a Global Challenge
    (9.00 bis 18.00 Uhr, Campus Grifflenberg, Bibliothekssaal)
  • 14.06.2018 – Autorengespräch über Pankaj Mishras Buch Age of Anger
    (15.00 Uhr, Campus Grifflenberg, Musiksaal)

Kontakt:
Prof. Dr. Peter Imbusch
Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften
Telefon 0202/439-2170 / 2591
E-Mail dekanfk2{at}uni-wuppertal.de