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Uni trifft JVA:
Wuppertaler Studierende führen Musikprojekt mit inhaftierten Jugendlichen durch

„Sind Sie vorbestraft? Haben Sie einen gültigen Personalausweis?“ In diese Richtung gingen die ersten Fragen an die sechs Teilnehmerinnen eines Seminars der Bergischen Universität Wuppertal im Fach Musikpädagogik. Veranstaltungsort: die Justizvollzugsanstalt Ronsdorf. Ein Semester lang haben Studierende in zwei Gruppen ein Musikprojekt für die inhaftierten Jugendlichen konzipiert und auch durchgeführt. Die Idee dazu entstand aus dem Wunsch heraus, zukünftigen Musiklehrkräften unterschiedliche Arbeitsfelder musikpädagogischen Handelns im Bereich der Sonderpädagogik aufzuzeigen. Allerdings hatten Dr. Annette Ziegenmeyer und Andreas Hallmann-Rieger, beide Lehrende im Fach Musikpädagogik an der Uni Wuppertal, nicht damit gerechnet, dass ihr Plan so umgehend, wohlwollend und interessiert aufgenommen werde würde: Der Koordinator des Pädagogischen Dienstes, Frank Zipfel, und sein Kollege Mathias Dreger zögerten nicht lange, die Organisation des Musikprojekts innerhalb des kreativen Freizeitangebots für die Häftlinge in die Hand zu nehmen.

Für die musikpädagogische Projektarbeit in der JVA war bzw. ist vor allem das besondere Förderkonzept der Anstalt leitend: So soll den jungen Gefangenen durch eine Vielzahl aufeinander abgestimmter Maßnahmen der Weg in eine straffreie Lebensführung ermöglicht werden. Wie sehr insbesondere das aktive Musizieren dazu befähigen kann, eigene Stärken zu erkennen und soziale Fähigkeiten zu entwickeln, konnten die Studierenden im Laufe des Projekts selbst erleben. So öffneten sich die anfangs eher zurückhaltenden Inhaftierten von Probe zu Probe mehr und gaben ihre persönlichen Musikwünsche an die Studierenden weiter, die hieraus wiederum ein Konzept für die folgende musikalische Probenarbeit entwickelten.

So entstand z.B. in einer von insgesamt zwei Gruppen ein Mash-up aus verschiedenen Lieblingssongs der Jugendlichen, die dann von allen ausdrucksstark wiedergegeben wurden. In der anderen Gruppe wurde ein eigener Rap-Song zum Thema Freiheit erstellt, der größtenteils von einem der Teilnehmer inspiriert wurde, der zu jeder einzelnen Probe hochmotiviert mit neuen Texten erschien. Abschließend wurden beide Stücke aufgenommen und die CDs den Jugendlichen feierlich überreicht. „Dieser so wichtige Moment war der Höhepunkt einer durchweg von Wertschätzung und Anerkennung geprägten Atmosphäre in den Proben, in denen die Jugendlichen zunehmend an Selbstvertrauen gewannen und wichtige Kompetenzen wie soziale Umfangsformen und Ausdrucksvermögen lernten“, so Annette Ziegenmeyer. „Inwieweit die musikalische Arbeit auch nach Beendigung der Haftzeit fortgesetzt wird, ist leider nur schwer nachzuverfolgen“, ergänzt Andreas Hallmann-Rieger. „Dennoch steht fest, dass alle Beteiligten während der Probenarbeit prägende ästhetische Erfahrungen gemacht haben, auf die sie in ihrem zukünftigen Leben zurückgreifen können.“

Die musikalische Projektarbeit im Freizeitbereich der JVA wird nun in Form einer langfristigen Kooperation zwischen der Bergischen Universität und der JVA Ronsdorf fortgesetzt und von der Anstaltsleiterin, Karin Lammel, unterstützt.

Marie Rademacher, Johanna Ebener-Holscher, Andreas Hallmann-Rieger, Cynthia Kessens, Isabell Buscher, Janina Beutler, Britta Wenzel und Dr. Annette Ziegenmeyer (v.l.)
Foto Frank Zipfel