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„Studienberatung ist Biographiearbeit“:
Transfergespräch mit ZSB-Leiterin Dr. Christine Hummel

„Die Zentrale Studienberatung hat den Auftrag, über die Studienmöglichkeiten der Bergischen Universität zu informieren und für die Schülerinnen und Schüler der Region die Erstinformationen vorzuhalten“, erklärt Dr. Christine Hummel, die seit neun Jahren die Geschicke der universitären Serviceeinrichtung leitet. Zu den diversen Angeboten der vorbereitenden Studienorientierung für Schülerinnen und Schüler zählen u.a. Entscheidungstrainings, informierende Vorträge sowie das Uni-Live-Programm für Kleingruppen oder auch Jahrgangsstufen mit Vortrag, Vorlesung, Bibliotheksbesuch und Campusführung.

Foto Iris Rudolph

Zum Tagesgeschäft des insgesamt 32 hauptamtliche und studentische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassenden Teams gehören zudem Beratungen für Studierende zu allen Fragen und Zweifeln rund ums Studium sowie zu Fach- und Ortswechselangelegenheiten. In der psychologischen Beratung bieten vier Psychologinnen Trainings und Einzelgespräche an, um etwa bei  persönlichen Krisen, Lern-, Prüfungs- oder anderen Schwierigkeiten im Studienverlauf Hilfe anzubieten. „Studierende kommen mit allen Problemen zu uns, die ihnen das Leben vor die Füße wirft und finden in der ZSB einen geschützten Raum in der Hochschule, in dem sie alles besprechen können.“ Hummel legt großen Wert auf die Gemeinschaft in ihrer Einrichtung und sagt: „Was uns Studienberater eint, ist die Tatsache, dass wir alle orientierende Beratung anbieten. Jeder von uns kann sowohl Schüler als auch Studierende zu Studienmöglichkeiten beraten. Das ist die gemeinsame Basis, die wir haben, und darauf bauen dann die einzelnen Arbeitsbereiche auf.“

Um die Attraktivität der Studiengänge zu zeigen, für deren Außendarstellung die ZSB auch zuständig ist, hat die studierte Germanistin die Arbeit mit den Fakultäten intensiviert und hält engen Kontakt zu den Studienfachberaterinnen und -beratern. So produziert die ZSB mittlerweile jedes Jahr 105 Studienfachflyer in einer Auflage von 65.000 Exemplaren, in denen das Studienangebot verschriftlicht ist. „Wir haben den Kombi-Bachelor mit mehr als dreißig Fächern, die man untereinander kombinieren kann“, erklärt sie, „wir haben nahezu zwanzig Einfach-Bachelor-Studiengänge, wir haben mehr als 30 Fachmaster sowie die umfassenden Master of Education.“

Die starke Vernetzung hat sie nicht nur in den Fächern vorangetrieben, sondern auch auf die Schulen ausgeweitet. Mit der Arbeitsagentur und u.a. der Industrie und Handelskammer entwickelte die ZSB überdies ein externes Netzwerk im Bereich der Berufs- und Studienorientierung.

Talentscouting

Für den Ausbau der Schulkontakte konnte die ZSB beim Ministerium Drittmittel für das Projekt Talentscouting einwerben. Das Talentscouting startete im März 2017 in enger Kooperation mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Insgesamt zehn Talentscouts beider Universitäten besuchen seither monatlich Schulen und bieten dort Sprechstunden für Schülerinnen und Schüler an, die in der Regel aus einem nichtakademischen Umfeld stammen und durch individuelle Begleitung ihre Fähigkeiten entwickeln können. Gemeinsam werden dort in geschützter Atmosphäre ergebnisoffen Lösungen und Zukunftspläne erarbeitet.

Schulkontakte sind Beziehungsarbeit

Als „Beziehungsarbeit“ beschreibt sie die Zusammenarbeit mit den weiterführenden Schulen des Bergischen Städtedreiecks. „Man muss den Lehrern vermitteln, dass es ganz wichtig für die Schülerinnen und Schüler ist, den Kontakt zur Universität frühzeitig aufzunehmen“, erklärt sie. Der Sorge der Lehrkräfte vor Mehrarbeit begegnet Hummel durch Informationsangebote, die die ZSB-Beraterinnen und -berater auch vor Ort anbieten können. „Mein Wunsch wäre es, dass wir die Schüler am besten anderthalb Jahre vorher einmal flächendeckend informieren dürften, und zwar so, dass sie sich das gut merken“, denn immer wieder stellt sie fest, dass Schüler mit Abitur in die Beratung kommen, die vorher noch keinerlei Berührungspunkte zur Hochschule hatten.

Entscheidungstrainings

„Oft liegt die wesentliche Hilfestellung der Studienberater im Gedankenordnen der Ratsuchenden“, sagt Hummel und nennt in diesem Zusammenhang das Angebot der Entscheidungstrainings. „An Entscheidungstrainings kann jeder teilnehmen, der sich nicht klar über seine Studienentscheidung ist. Das kann unterschiedliche Ursachen haben. Entweder man hat ganz viele Optionen im Kopf, oder aber es ist noch überhaupt keine Idee für die Zeit nach dem Abi da.“ Für die beiden Zielgruppen bietet das Entscheidungstraining eine Hilfestellung. Die Studieninteressierten arbeiten dann mit anderen, die in der gleichen Situation sind, zusammen. Diese Trainings bietet die ZSB monatlich an. „Da hat man wirklich einmal die Zeit, in einer Gruppe an der Zielfindung zu arbeiten“, betont die Wissenschaftlerin, „und von Profis angeleitet die Zukunft zu imaginieren.“ In den Trainings wird zudem die Angst vor den großen Entscheidungen genommen. Optionen werden aufgezeigt, und wenn der eigentliche Wunsch nicht erreichbar erscheint, geben die Berater Hilfestellung und Unterstützung für den notwendigen ‚Plan B‘. „Jeder Mensch, der hier sitzt, will als Individuum betrachtet werden“, gibt Hummel zu bedenken, denn die Ratsuchenden unterliegen oft sowohl beruflichen Klischeevorstellungen als auch familiären Zwängen, über die in der Beratung gesprochen werden muss.

Im Gegensatz zu früheren Generationen spielen Eltern in der Entscheidungsphase der heutigen Studieninteressierten eine wichtige Rolle. Dem kommt die ZSB mit einem weiteren Beratungsangebot entgegen. Der in diesem Jahr durchgeführte „Lange Nachmittag der Studienorientierung“ bot Eltern wie Schülern die Gelegenheit, in Hörsälen oder dem Ausstellungsbereich des Foyers in Halle K Fragen zu Studienfächern und -kombinationsmöglichkeiten zu stellen sowie Möglichkeiten der Studienbewerbung und -finanzierung zu klären. Ab Herbst werden zusätzlich noch Elternworkshops und -sprechstunden angeboten, im Frühjahr findet ein weiterer „Eltern-Info-Abend“ statt.

Neben dieser Fülle an Angeboten beteiligt sich die ZSB an den regionalen und überregionalen Bildungsmessen. „Die Messen sind gut für den ersten Eindruck“, sagt Hummel kritisch über diese Großveranstaltungen, auf denen kaum Gespräche möglich seien, sondern vor allem Flyer en masse verteilt würden. Eine erfreuliche Gegenbewegung sieht sie im Engagement der Bergischen Städte, die Region stärker zu bewerben. Als Beispiele dafür nennt sie die Solinger Bildungsmesse Forum: Studium oder auch den Primanertag in Wuppertal.

Studieren in Wuppertal

Neugierde und Entdeckerfreude sollten die Studierenden, die sich für Wuppertal entscheiden, auf jeden Fall mitbringen, konstatiert Hummel. „Neugier auf das Fach, das man studiert, und Entdeckerfreude, den Themen auf den Grund zu gehen. Und dann natürlich Motivation, der Motor für alles.“ Die Wuppertaler Universität ist die Hochschule der kurzen Wege, sagt sie, „wer es mag, in kleinen Gruppen studieren zu können, für den ist die Hochschule richtig. Es ist eine im allerbesten Sinne überschaubare Universität. Der Kontakt zu den Lehrenden ist leicht herstellbar. Die Uni liegt im Grünen, die Campusanlage ist wunderschön, die Betreuung hervorragend.“

Eine Vielzahl der vorbereitenden Angebote der Zentralen Studienberatung können Studieninteressierte und auch Studierende auf dem Weg der eigenen Biographie in Ruhe wahrnehmen. „Dann“, ist sich Christine Hummel sicher, „ wird irgendwann auch der Weg deutlich, so wie ein roter Faden“.

Uwe Blass


Weitere Transfergeschichten sind zu finden unter
www.transfer.uni-wuppertal.de/transfergeschichten.html
 

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Christine Hummel studierte Germanistik, Philosophie und Politologie an der Bergischen Universität und promovierte 2001 im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften mit einer Studie über "Intertextualität im Werk Heinrich Bölls". 2009 übernahm sie die Leitung der Zentralen Studienberatung.