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Verlängerung der Rudolf-Carnap-Senior-Professur:
Prof. Dr. Heinz Sünker im Interview

Eigentlich befindet er sich seit zwei Jahren im Ruhestand. Dass sich Prof. Dr. Heinz Sünker trotzdem nach wie vor an der Profilierung der Bergischen Universität beteiligt, hat einen Grund: Im Juni 2016 wurde der Sozialpädagoge mit der „Rudolf-Carnap-Senior-Professur“ ausgezeichnet. Dieser Titel geht an Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer, die die Universität während ihrer Dienstzeit in besonderem Maße geprägt haben und bereit sind, sich auch im Anschluss in fachübergreifende Forschungs- und Internationalisierungsprojekte einzubringen. Angelegt ist die Professur auf drei Jahre, im Fall von Prof. Dr. Sünker wurde sie jetzt um weitere zwei Jahre verlängert. Anlass genug für einen Rück- und Ausblick…

Uni-Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch (l.) und Prof. Dr. Cornelia Gräsel, Prorektorin für Internationales und Diversität, übergaben Prof. Dr. Heinz Sünker 2016 die Ehrenurkunde für die „Rudolf-Carnap-Senior-Professur“.
Foto Denise Haberger

Prof. Dr. Sünker, wie sahen Ihre Aktivitäten als Rudolf-Carnap-Senior-Professor bisher aus?

Im Zentrum meiner Aktivitäten stand zum Beispiel eine kontinuierliche Beteiligung an der Arbeit der AG „Internationales“ von Prof. Dr. Cornelia Gräsel, Prorektorin für Internationales und Diversität. Dazu gehörte die Teilnahme an nationalen und internationalen Konferenzen. So saß ich 2017 beispielsweise im Programmkomitee des Research Committee „Self-Management“ der International Sociological Association mit einer Konferenz mit über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Lissabon, konnte an der Konferenz der European Sociological Association in Athen mit Beiträgen teilnehmen und war Direktor unseres jährlich stattfindenden Kurses „Erzählungen des Sozialen“ am Inter University Centre Dubrovnik. Darüber hinaus habe ich in deutschen, englischen, griechischen, kroatischen, polnischen und spanischen Publikationen veröffentlicht, war als Reviewer tätig für englischsprachige Zeitschriften und Verlage. Nach wie vor bin ich Redakteur bzw. Mitglied im Board mehrerer Zeitschriften und Forschungseinrichtungen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweiz und den USA.

Zudem bin ich seit vielen Jahren Gastgeber für Stipendiatinnen und Stipendiaten aus dem Middle East Programm der NRW-Landesregierung. Dabei verbringen Studierende aus Israel, Palästina und Jordanien im Zuge ihres Masterstudiums oder ihrer Promotion drei Monate an einer nordrhein-westfälischen Universität. 2016 war das ein palästinensischer Stipendiat aus Ramalah, 2017 eine israelische Stipendiatin von der Bar-Ilan-University, 2018 sind es zwei Stipendiaten von der Hebrew University/Jerusalem.

Welche Aufgaben haben Sie im Universitätsalltag übernommen?

U.a. war ich häufig als Gutachter oder externes Mitglied in Berufungsverfahren oder bei Dissertationen im Einsatz. Zudem bin ich weiterhin in der Lehre aktiv und nach wie vor Direktor des Interdisziplinären Zentrums Kindheiten.Gesellschaft. Das heißt: Ich bin u.a. verantwortlich für die Planung und Durchführung von Vorträgen im Forschungskolloquium – vor allem in Zusammenarbeit mit international bekannten Kolleginnen und Kollegen. Auch in die Edition einer erfolgreichen Buchreihe bin ich eingebunden.

Was waren Ihre bisherigen Highlights?

Beeindruckend und gesellschaftlich bedeutsam war und ist die Zusammenarbeit mit einer Partnerschule in Remscheid, dem Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium. Am 9. November 2017 hat dort eine wesentlich von Schülerinnen und Schülern gestaltete große Veranstaltung stattgefunden, bei der ich mit einem Beitrag (in Vertretung unseres Rektors) vertreten war. Sie diente u.a. der Erinnerung an die Folgen der Pogromnacht für die jüdischen Bürgerinnen und Bürger Remscheids, die damals in einem Pferdestall zusammengepfercht wurden. Darüber hinaus war die Veranstaltung eine Vorbereitung zur Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte „Pferdestall“. Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern befanden sich Vertreterinnen und Vertreter der Landesregierung, der israelischen Botschaft, der Polizei, der Oberstufe und des Lehrerkollegiums sowie kommunale Politikerinnen und Politiker. Im Nachgang dazu konnte ich Ende Januar 2018 mit dem gesamten Abiturientenjahrgang des Gymnasiums zwei Stunden zu „Holocaust und Bildung/Politik der Erinnerung“ gestalten.

Auf der Ebene der Lehre ist mir das dreisemestrig angelegte Projekt „Antirassistische Bildungsarbeit/Zivilcourage und Gewaltprävention“ besonders wichtig. Herausfordernd und herausragend war im April dieses Jahres der Marx-Kongress, der gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Hans-Böckler-Stiftung geplant und durchgeführt wurde. Dabei ist es uns gelungen, prominente Key Note Speaker wie Prof. Dr. Wolfdietrich Schmied-Kowarzik oder Prof. Dr. Gareth Stedman Jones mit älteren wie jüngeren Expertinnen und Experten zusammenzubringen.

Auf der Forschungsebene haben wir im vergangenen und in diesem Jahr zwei großformatige Projekte abgeschlossen: einmal „Nähe und Distanz – Kinder erleben Pflegefamilien“ (finanziert über drei Jahre vom Landesministerium) und zum anderen „Israeli Jews in Contemporary Germany“ – gemeinsam mit Prof. Dr. Uzi Rebhun/Hebrew University/Israel (finanziert über vier Jahre von der German-Israel-Foundation).

Und was planen Sie für die kommenden Jahre?

Neben der Fortsetzung meiner „normalen Arbeit“ in nationalen wie internationalen Kontexten steht für 2020 die Planung von Aktivitäten und Veranstaltungen zum Wuppertaler Engels-Jahr an – und zwar in Zusammenarbeit mit dem Kollegen Prof. Dr. Smail Rapic. 2019 organisiere ich mit Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung und aus Anlass seines 50. Todestages eine Konferenz zu Theodor W. Adorno. Titel der Veranstaltung vom 11. bis 12. Juli: „Aktualität und Perspektive seiner Kritischen Theorie“. Zudem hoffen wir, im Rahmen der Arbeiten des IZ Kindheiten.Gesellschaften noch eine Vielzahl erfolgreicher Veranstaltungen und auch weitere internationale Konferenzen zu organisieren.