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Sozialpädagogiktag 2018:
10 Jahre Masterstudiengang Kindheit, Jugend, Soziale Dienste

Seit zehn Jahren gibt es an der Bergischen Universität den Masterstudiengang Kindheit, Jugend, Soziale Dienste. Zur Feier dieses Jubiläums lud die Arbeitseinheit Sozialpädagogik zum vierten Sozialpädagogiktag nach Wuppertal: Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer befassten sich mit den „Gesellschaftlichen Perspektiven Sozialer Arbeit – heute“. Sie kamen aus praktischen und wissenschaftlichen Arbeitszusammenhängen, waren ehemalige und aktuelle Studierende. Im Anschluss an die Veranstaltung fand eine Jubiläumsfeier zum zehnjährigen Bestehen des Studiengangs statt.

Prof. Dr. Dr. h.c. Lambert T. Koch, Prof. Dr. Werner Thole (Universität Kassel), Prof. Dr. Andreas Schaarschuch, Sen. Prof. Dr. Heinz Sünker, Prof. Dr. Astrid Messerschmidt, Prof. Dr. Gertrud Oelerich, Karina Schlingensiepen-Trint, M.A., Jacqueline Kunhenn, M.A., und Hannah Dehm, M.A. (v.l.)
Foto: Michael Mutzberg

Grußworte von Prof. Dr. Koch und Prof. Dr. Messerschmidt

Ein Grußwort zum Sozialpädagogiktag hielt Prof. Dr. Dr. h.c. Lambert T. Koch. Der Rektor der Bergischen Universität unterstrich die Kontinuitätslinie des Sozialpädagogiktages und hob den Stellenwert einer professionellen sozialen Arbeit angesichts gesellschaftlicher Spaltungen hervor.  Dem Fach Sozialpädagogik an der Bergischen Universität sei es stets darum gegangen, sowohl die gesellschaftliche Situation der Sozialen Arbeit analysierend zu fassen als sich auch gestaltend in gesellschaftliche Zusammenhänge einzubringen. In diesem Zusammenhang wies Koch auch auf die gute Zusammenarbeit mit regionalen Trägern der Sozialen Arbeit, insbesondere beim Wuppertaler Jugendhilfetag, hin und hob die Bedeutung von Netzwerken hervor, die sich zwischen ehemaligen und aktuell Studierenden des Masterstudiengangs Kindheit, Jugend, Soziale Dienste entwickeln. Dem Studiengang, der stark nachgefragt ist, wünschte er weiterhin eine gute Zukunft.

Prof. Dr. Astrid Messerschmidt während ihres Grußwortes.
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Foto: Michael Mutzberg

Die Fachsprecherin des Instituts für Erziehungswissenschaft, Prof. Dr. Astrid Messerschmidt, thematisierte in ihrem Grußwort insbesondere die sich zuspitzenden gesellschaftlichen Ungleichheiten, die die gegenwärtige Gesellschaft kennzeichnen. Begriffe wie Partizipation und Inklusion, die positive Zielsetzungen fokussierten, könnten dazu führen, dass die Kritik an pädagogischen Verhältnissen, die alles andere seien als partizipativ und inkludierend, überdeckt werden könnten. Aus der Analyse und Kritik der gesellschaftlichen Bedingungen, die soziale Ungleichheiten hervorbringen und reproduzieren, können Ansätze hervorgehen, um Bedingungen zu schaffen, die weniger ausgrenzend wirken. Dies bedeute für die professionelle Arbeit mit Menschen in unerträglichen Lebenslagen, dass ein hohes Maß an Selbstreflexion gefordert ist, das in einem wissenschaftlichen Studium durch die Einsicht in die Situation anderer erworben werden kann.

Ein Blick auf Entwicklungen im Bereich der Sozialpädagogik

Auf die Einführung in das Tagungsthema durch Prof. Dr. Andreas Schaarschuch von der Arbeitseinheit Sozialpädagogik der Bergischen Universität folgte der Hauptvortrag von Prof. Dr. Werner Thole. Der Wissenschaftler der Universität Kassel widmete sich dem Thema „Blick zurück nach vorn – Professionalisierung und sozialpädagogische Kritik der Lebensformen“. Thole verwies auf den enormen Ausbau des sozialpädagogischen Tätigkeitsbereichs seit Beginn der 1970er Jahre. Mit diesem Wachstum setzte – so seine Kritik – eine fortdauernde Entkoppelung von politischen Intentionen und praktischen Konzepten in der Sozialen Arbeit ein. In der Orientierung auf Ordnung und Disziplin, auf die Einhaltung von Regeln und Normen wurde ein Kontrolldiskurs etabliert, der zwar für die Professionellen Entlastung verspreche, sich dabei aber von der Lebenswelt der Adressatinnen und Adressaten zunehmend entferne. Abschließend plädierte Thole für eine advokatorische Rolle der Sozialen Arbeit im Hinblick auf die Gewährleistung und Gestaltung von unterschiedlichen Formen der Lebensführung in dieser Gesellschaft.

Nach der Mittagspause diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in drei parallelen Foren Fragen des Gesellschaftsbezuges sozialer Arbeit – zum Beispiel hinsichtlich des Verhältnisses von sozialer Arbeit und Sozialpolitik, Demokratie und Teilhabe sowie der Kinder- und Jugendhilfe. Der diesjährige Sozialpädagogiktag schloss mit einem Streitgespräch zwischen Prof. Dr. Helga Cremer-Schäfer (Goethe-Universität Frankfurt) und Prof. Dr. Werner Thole (Universität Kassel) als Kontrahenten zum Thema „Soziale Arbeit als politischer Akteur". Die regen Diskussionen im Anschluss an die Beiträge sowie die positive Resonanz seitens der Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten deutlich, dass der Sozialpädagogiktag der Universität Wuppertal ein attraktives Angebot zur Thematisierung aktueller und relevanter Themen der Sozialpädagogik für professionelle wie disziplinäre Akteure darstellt.

Rückblick – Einblick – Ausblick: Jubiläumsfeier zum 10-jährigen Bestehen des Studiengangs

Etwa 45 Absolventinnen und Absolventen waren im Anschluss an den Sozialpädagogiktag auf Einladung der Arbeitseinheit Sozialpädagogik zusammengekommen, um gemeinsam mit derzeitigen Studierenden und Lehrenden das 10-jährige Bestehen des Masterstudienganges Kindheit, Jugend, Soziale Dienste zu feiern.

Unter dem Motto „Rückblick – Einblick – Ausblick“ führten Manuela Gausmann als Absolventin und Prof. Dr. Gertrud Oelerich durch das Programm. Nach einem akademischen Festvortrag vom Prof. Dr. Heinz Sünker zu Thema „Universität, Kritische Wissenschaft und Soziale Arbeit“ und einem Rückblick von Prof. Dr. Andreas Schaarschuch auf die Geschichte des Studienganges berichteten ehemalige Studierende über ihre beruflichen Entwicklungen nach dem Abschluss und zogen dabei Verbindungslinien zum Studiengang. Dabei wurde deutlich, dass viele Ehemalige bereits nach kurzer Zeit in verantwortlichen Positionen mit Leitungsaufgaben in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie im Wissenschaftsbereich Fuß gefasst haben. Vielfach wurde dies in einen Zusammenhang mit der starken analytischen und empirischen Ausrichtung des Masterstudienganges sowie insbesondere der Lehrforschungsprojekte gebracht. Die Ausbildung würde einen „empirischen Blick" – insbesondere auf die Situation der Nutzerinnen und Nutzer sozialer Arbeit – fördern. Die Jubiläumsveranstaltung schloss mit einem geselligen Austausch, bei dem die angesprochenen Themen vertieft und Verbindungen unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern neu geknüpft wurden.