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Wuppertaler Soziologen untersuchen die Transformation der globalen Wissenschaftselite

Der Nobelpreis gilt als höchste wissenschaftliche Auszeichnung und hat bereits viel Forschungsinteresse aus verschiedenen Disziplinen erfahren. Im Rahmen dieser Forschung wird oft von einer Verschiebung der wissenschaftlichen Vorherrschaft von Europa nach Nordamerika, insbesondere die Vereinigten Staaten, gesprochen, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts vollzogen haben soll. Um die Frage der nordamerikanischen Hegemonie – und aktuelle Entwicklungen, die eine Abnahme dieser Vorherrschaft andeuten – genauer zu untersuchen, haben die Wuppertaler Soziologen Thomas Heinze, Arlette Jappe und David Pithan in einem kürzlich publizierten Aufsatz die globale Population von Nobelpreisträgern untersucht.

Die Analyse basiert auf einer Vollerhebung aller Nobelpreisträger aus den Fächern Physik, Chemie, Medizin und Physiologie von 1901 bis 2017 und fokussiert dabei auf drei Regionen: Europa, Nordamerika sowie die asiatisch-pazifische Region. Diese beziehen sich auf die Universitäten oder Forschungsinstitute, an denen die Preisträger entweder ihren höchsten Bildungs­abschluss machten, die zum Nobelpreis führende Forschung durchführten oder schließlich mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden.

In der Analyse zeigen sich vier Transformationsperioden der globalen Wissenschaftselite. In den 1920er bis 1940er Jahren holt Nordamerika Europa ein, was die Anzahl an Nobelpreisträgern angeht. Diese Aufholjagd wird in den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren konsolidiert, und ab den 1970er Jahren führt Nordamerika in allen drei Karriere­schritten: von der universitären Ausbildung zukünftiger Nobelpreisträger bis hin zur Preisverleihung. Von hier an beginnt eine Periode der nordamerikanischen Hegemonie, die bis in die neunziger Jahre hinein andauert und in der fast drei Viertel aller Nobelpreisträger an nordamerikanischen Forschungs­einrichtungen geforscht haben bzw. in dieser Region zum Zeitpunkt der Preisverleihung arbeiteten.

„Ab der Jahrtausendwende zeigt sich allerdings erneute Bewegung in der Preisträger-Population: die Anzahl nordamerikanischer Preisträger sinkt, Europa macht Boden gut, während die asiatisch-pazifische Region ein deutliches Wachstum aufzeigt. Ein ähnliches Muster zeigt sich bei der Analyse von Meister-Schüler Beziehungen, die als Indikator für effektiven Wissenstransfer zwischen Wissenschaftlergenerationen dienen. Aufgrund der derzeitigen Dynamik könnten die 2010er Jahre ein Jahrzehnt werden, in dem Europa und Asien gemeinsam Nordamerika an Nobelpreisträgern übertreffen, was die amerikanische Vorherrschaft in Frage stellen würde“, fasst Thomas Heinze zusammen.

Zusätzlich wurde auch die Karrieremobilität der Preisträger analysiert. Hier zeigt sich, dass Nordamerika zukünftige Preisträger aus den anderen beiden Regionen anzieht und diese Magnetwirkung ungebrochen ist. Es hat sich bislang noch kein neues globales Zentrum der Wissenschaftselite herausgebildet.

Der gesamte Aufsatz ist nachzulesen unter https://doi.org/10.1371/journal.pone.0213916

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Heinze
Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften
Telefon 0202/439-2092
E-Mail theinze{at}uni-wuppertal.de