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„Gesundheit als wichtige zukünftige Ressource“

Das Bergische Kompetenzzentrum für Gesundheitsmanagement und Public Health (BKG) feiert in diesem Jahr seinen fünften Geburtstag. BKG-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Juliane Köberlein-Neu erklärt im Interview welche Arbeit das Institut der Bergischen Universität Wuppertal in den vergangenen Jahren geleistet hat und warum das Thema Gesundheit in Zukunft noch wichtiger werden wird.

BKG-Vorstandsvorsitzende Juliane Köberlein-Neu
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Warum wurde das BKG vor fünf Jahren gegründet?

Die Gründung wurde von einer gemeinsamen Vision seiner Initiatoren getragen: von der Überzeugung, dass Gesundheit einen zentralen Wert darstellt – für jeden einzelnen Menschen, für Unternehmen und für die Gesellschaft. Gesundheit ermöglicht Leistung und Wertschöpfung, führt zu Erfolg und Zufriedenheit. Gesundheit als gesellschaftliche und unternehmerische Ressource sollte an der Bergischen Universität ein zukunftsweisendes, innovatives Forschungs- und Handlungsfeld werden.

Ist dies gelungen?

Unbedingt. Das BKG stellt seit seiner Gründung die Gesundheit des Menschen und die dazu notwendigen Versorgungskonzepte und -strukturen auf vielfältige Weise in den Fokus seiner Projekte und Studiengänge. Ein besonderes Anliegen ist es, die Herausforderungen der Gesundheitswirtschaft und der Gesundheitsversorgung in regional kleinräumig gestalteten Projekten zu erkunden, aufzugreifen und in tragfähige Strukturen von Forschung, Lehre und des Praxistransfers umzusetzen.

Welchen Stellenwert wird das Thema Gesundheit in den nächsten Jahren einnehmen?

Immer dann, wenn ein Gut knapp wird oder Schaden zu nehmen droht, richtet sich die Aufmerksamkeit vermehrt darauf. Gesundheit und insbesondere die „Psychische Gesundheit“ ist offenbar ein solches Gut. In der Öffentlichkeit, in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik mehren sich die Stimmen, die fordern, Gesundheit – neben Konsum und Wachstum – als wichtige zukünftige Ressource stärker zu beachten.

Auslöser dafür sind u.a. die stetig steigenden Gesundheitskosten, die Tatsache, dass wir künftig bis zum Alter von 67 oder 70 Jahren arbeiten müssen, der demografische Wandel sowie die Erkenntnis, dass Stress im Arbeitsleben als gesundheitsbeeinträchtigender Faktor extrem zugenommen hat. Auch die deutliche Zunahme von Übergewicht und Adipositas bei Jugendlichen und in der Gesamtbevölkerung wird als Signal begriffen, dass zum Handeln aufruft.

Wird der Mensch in Zukunft als Ressource betrachtet?

Gegenwärtig befinden wir uns im sechsten sogenannten Kondratieff-Zyklus, in dem immaterielle Werte, insbesondere die Gesundheit, als wesentliche Produktivitätsreserve zur Geltung kommen. Hohe Produktivität und Wirtschaftlichkeit lassen sich durch Technikgestaltung allein nicht mehr nachhaltig sichern. Auch, oder gerade in der Arbeit 4.0, wie die künftige Arbeitswelt gerne bezeichnet wird, wird der Mensch als Ressource dringend benötigt. Die psychische Gesundheit stellt dafür eine wesentliche Voraussetzung dar.

In der Öffentlichkeit wird Gesundheit allerdings sehr oft nicht in ihren positiven Ausprägungen und Wirkungen diskutiert, sondern es stehen psychische Erkrankungen wie Depression und Burn-out im Fokus der Diskussion. Ein wesentliches Ziel des BKG besteht deshalb auch darin, in Forschung, Lehre und Anwendung aufzuzeigen, dass Gesundheit ein Gut ist, dessen Erhalt und Förderung in Zukunft eine zentrale Aufgabe auf individueller, unternehmerischer und gesellschaftlicher Ebene sein muss.

Welches sind weitere Ziele des BKG?

Die demografische Alterung der Gesellschaft und der sich stetig entwickelnde medizinische Fortschritt haben in den letzten Jahren zu einer starken Ressourcenbelastung geführt. Besonders chronisch erkrankte Patienten und Betroffene mit mehreren Krankheiten stellen eine Herausforderung dar, der mit innovativen und zukunftsfähigen Versorgungsstrukturen und -konzepten begegnet werden muss. Als zentrales Element der Konzepte muss dabei vor allem die erfolgreiche Zusammenarbeit der in der Behandlung tätigen Professionen und Gesundheitssektoren angesehen werden.

In welche Richtung forscht das Kompetenzzentrum?

Die Forschung des BKG konzentriert sich verstärkt darauf, die sozio-ökonomischen und psycho-sozialen Bedingungen von Gesundheit und Krankheit zu untersuchen und zu bewerten, um daraus Hinweise für zukunftsfähige Gestaltungslösungen abzuleiten.

Ziel des BKG ist außerdem, „zu lehren, was gesund macht“. Wie wird das umgesetzt?

Wichtige Aufgaben im Bereich Lehre betreffen die Betreuung und Ausgestaltung der Vollzeit- und berufsbegleitenden Bachelor-Studiengänge Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement. Diese wurden in enger Zusammenarbeit mit der regionalen Gesundheitswirtschaft entwickelt und über die letzten Jahre verstärkt bezüglich der angestrebten Schwerpunktsetzung in Gesundheitsökonomik und Versorgungsforschung weiterentwickelt.

Auch der Praxistransfer ist ein zentrales Handlungsfeld. Inwiefern?

Wissenstransfer in die Praxis und Anwendung der in der Forschung gewonnenen Erkenntnisse sollen zur Stärkung des Bergischen Gesundheitsnetzwerkes beitragen. Dieser Transfer umfasst derzeit u.a. die Entwicklung praxisbezogener Weiterbildungsangebote für verschiedene Berufsgruppen aus dem Gesundheitswesen, aktuell vor allem im Bereich Arbeit und Gesundheit.

Welche Fächer und Institute der Bergischen Universität arbeiten mit dem BKG zusammen?

Das BKG arbeitet derzeit in seinen Forschungsprojekten eng mit den Instituten KomFor (Kompetenzzentrum für Fortbildung und Arbeitsgestaltung) und dem Wuppertaler Institut für Bildungsökonomische Forschung (WIB) zusammen. Darüber hinaus bestehen verschiedene projektspezifische Zusammenarbeiten sowie Kooperationen in der Lehre u.a. mit der Sportwissenschaft, der Psychologie, der Sicherheitstechnik sowie dem Zentrum für Interdisziplinäre Sprachforschung (ZefiS).

Welche Herausforderungen und Themen sehen Sie in Zukunft für das Institut?

Neben der adäquaten Versorgung von chronisch sowie mehrfach erkrankten Patienten und einer problembezogenen Betreuung im hohen Alter ist der Ansatz von präventiven Maßnahmen im Kindesalter und eine sowohl individuelle als auch generationenspezifisch optimal begleitende Gesundheitsversorgung ein Thema. Ebenso werden räumliche Einflussfaktoren, Raumwirksamkeiten und strukturpolitische Handlungsoptionen zunehmend eine entscheidende Rolle in der zukünftigen Regionalentwicklung spielen.

Wie wird sich das BKG darauf einstellen?

Um diesen Herausforderungen auch für das Bergische Land gerecht zu werden, sollten sich zukünftige Forschungsaktivitäten überwiegend in lokalen praxisnahen Versorgungssettings bewegen. In diesem Sinne wird sich das BKG in den nächsten Jahren schwerpunktmäßig dem Aufbau eines regionalen, Gesundheitseinrichtungen der ambulanten, stationären und pflegerischen Versorgung des Bergischen Lands umfassenden, Forschungsnetzes widmen.

Durch die Einrichtung eines solchen fest verankerten Forschungsnetzes würden vor allem die Versorgungsforschung an der Bergischen Uni sowie der Wissenstransfer in die Praxis noch stärker gefördert werden können. Ebenso wäre auf diese Weise eine konstante regionale Gesundheitsforschung sichergestellt.

www.gesundheit.uni-wuppertal.de

Kontakt:
Jun.-Prof. Dr. Juliane Köberlein-Neu
Bergisches Kompetenzzentrum für Gesundheitsmanagement und Public Health
Bergische Universität Wuppertal
Telefon 0202/439-1381
E-Mail koeberlein{at}wiwi.uni-wuppertal.de