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Vom Rand- zum Massenphänomen: Der Ablass im 13. & 14. Jahrhundert

Eines der bedeutsamsten Phänomene spätmittelalterlicher Frömmigkeit steht im Zentrum zweier Neuerscheinungen von Historikern der Bergischen Universität Wuppertal: der Ablass – ein durch Papst oder Bischof bewilligter Nachlass der individuellen Sündenstrafe.

Unter dem Titel „Ablass, Papsttum und Bettelorden im 13. Jahrhundert“ beleuchtet Jun.-Prof. Dr. Étienne Doublier den Aufstieg von einem marginalen, auf wenige Regionen beschränkten Gebrauch bis zu einem Massenphänomen. Dabei untersucht der Historiker vor allem die Rolle der Bettelorden bei der Ausbreitung. Eine seiner Erkenntnisse: „Auf der einen Seite hat der Ablass maßgeblich zur Etablierung dieser Orden und ihrer Seelsorge beigetragen“, so Prof. Doublier. „Auf der anderen Seite haben prominente Theologen aus ihren Reihen die Legitimität des umstrittenen Phänomens untermauert.“ Von diesem Prozess hätte vor allem das Papsttum profitiert, das sich dadurch als höchste heilsvermittelnde Instanz der Christenheit profiliert hätte.

Doublier, Étienne: Ablass, Papsttum und Bettelorden im 13. Jahrhundert. Böhlau; Köln u.a. 2017 (Papsttum im mittelalterlichen Europa, 6). 752 Seiten; 105 Euro.


Bei Publikation Nummer zwei handelt es sich um den Sammelband „Economia della salvezza e indulgenza nel medioevo“, herausgegeben von Prof. Doublier und Prof. Dr. Jochen Johrendt. Die Autorinnen und Autoren beleuchten die Wechselwirkung zwischen der Entfaltung des Ablassinstituts ab dem 13. Jahrhundert und der Durchsetzung seiner auf die exklusive heilsvermittelnde Gewalt der hierarchischen Kirche ausgerichteten Heilsökonomie – und zwar sowohl aus historischer als auch aus theologischer Perspektive. Die einzelnen Beiträge basieren auf den Ergebnissen einer internationalen Tagung zum Thema „Heilsökonomie und Exklusivität. Der Ablass zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert“. Sie hat im Februar 2015 an der Bergischen Universität Wuppertal stattgefunden.

Doublier, Étienne / Johrendt, Jochen (Hrsg.): Economia della salvezza e indulgenza nel medioevo (Ordines 6). Ricerche/Storia/Ordines; Milano 2017; 248 Seiten; 23,75 Euro.