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„Die Zeit in Wuppertal war ein Geschenk“

Wenn Idan Levy und Oren Peri in den Flieger zurück nach Israel steigen, blicken sie auf eine erfolgreiche Zeit zurück. Mehr als zwei Monate haben die beiden Master-Studenten der Hebrew University Jerusalem bislang an der Bergischen Universität verbracht – mit dem Ziel, ihre Abschlussarbeiten einen entscheidenden Schritt voran zu bringen. Das ist in beiden Fällen gelungen. Während Oren wichtige Kapitel zur Diskussion über die Islamdiskussion in Deutschland geschrieben hat, konnte Idan seine Thesis zum Thema „Einbürgerungstests in Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden“ sogar abschließen.

Mehr als zwei Monate waren Idan Levy (l.) und Oren Peri zu Gast an der Bergischen Universität.
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Foto: Friederike von Heyden

Den Aufenthalt in Wuppertal hat ihnen ein Stipendium ermöglicht. Genauer: das vom Akademischen Auslandsamt koordinierte Middle East Programm der NRW-Landesregierung (siehe Kasten). Dabei verbringen Studierende aus Israel, Palästina oder Jordanien im Zuge ihres Masterstudiums oder ihrer Promotion bis zu drei Monate an einer nordrhein-westfälischen Universität. „Dass zwei Studierende an derselben Hochschule verortet werden, ist eher ungewöhnlich“, sagt Oren, „aber mit unseren Schwerpunkten waren wir beide gut an der Bergischen Universität untergebracht.“ Betreut wurden sie hauptsächlich von Prof. Dr. Heinz Sünker, der seit vielen Jahren im Rahmen dieses von ihm als äußerst wichtig wie erfolgreich eingeschätzten Programms Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Palästina und Israel betreut, sowie Prof. Dr. Astrid Messerschmidt von der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften. „Wir haben uns zusammen mit einem afrikanischen Studenten ein Büro geteilt, konnten alle Medien der Universität nutzen – einschließlich der Privatbibliothek von Prof. Dr. Sünker – und auch an Seminaren und Vorlesungen teilnehmen“, so Idan.

Ihn haben vor allem die Gespräche mit den Wuppertaler Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern inspiriert. „Ich habe mit vielen intelligenten Menschen über meine Arbeit diskutiert. Dabei sind ganz neue Ideen und Impulse entstanden.“ Auch für Oren war der Aufenthalt in Deutschland gewinnbringend. „Meine Master-Arbeit dreht sich um die Frage, wie deutsche Prominente mit muslimischem Hintergrund auf die Diskussion rund um den Islam reagieren und wie sie die öffentliche Meinung beeinflussen. Das vor Ort untersuchen zu können, war eine einmalige Gelegenheit.“

Das akademische Fazit fällt ebenso sehr positiv aus. „Die Zeit in Wuppertal war ein Geschenk“, betont Idan. „Wenn ich in Israel bin, werde ich von Familie, Freunden und Nachbarn abgelenkt. In Wuppertal konnte ich mich voll und ganz auf meine Arbeit konzentrieren.“ Ähnlich lautet die Einschätzung von Oren. „Während ich normalerweise Studium und Job unter einen Hut bringen muss, konnte ich für diese zwei Monate meinen Schwerpunkt komplett auf die wissenschaftliche Arbeit legen.“ In Israel, so berichten die beiden, sind die meisten Studierenden berufstätig, um die Gebühren finanzieren zu können. So ist Oren für das Middle East Media Research Institute tätig. Sein Vorteil: Er kann die Inhalte seines Studiums direkt in die Praxis einfließen lassen und hofft, durch die Weiterqualifizierung seine Aufstiegschancen zu verbessern. Anders sieht es bei Idan aus. Er arbeitet als Flugbegleiter für die israelische Airline El Al. „Bei der Gestaltung meiner Arbeitszeit habe ich große Freiheiten, was für die Kombination mit einem Studium natürlich ideal ist“, erklärt er. „Inhaltliche Überschneidungen gibt es nicht. Aber dieses Studium ist nichts, was ich geplant habe. Es ist einfach passiert und hat mein Leben ziemlich verändert.“

Ob er sein Standbein in der wissenschaftlichen Welt behalten oder vielleicht sogar intensiver forschen möchte, hält er sich – ebenso wie Oren – offen. „Prof. Dr. Sünker hat uns bereits für das Thema Promotion sensibilisiert und auch ein paar Programme – u.a. in Deutschland – vorgeschlagen“, erzählt er. „Jetzt stehen aber erstmal Gespräche mit unseren Betreuern an der Hebrew University an. Danach entscheiden wir, wie es weitergeht.“

PS: Natürlich haben die beiden ihre Zeit in Wuppertal auch genutzt, um Stadt und Umland zu erkunden. Grün und ruhig waren die beiden Adjektive, die sie in diesem Zusammenhang genutzt haben. Eher schockiert waren Idan und Oren vom öffentlichen Nahverkehr. Dass deutsche Züge so unpünktlich seien, hätten sie auf keinen Fall erwartet.

Das Kurzstipendienprogramm im Überblick

Das Kurzstipendienprogramm für Studierende aus Israel, den Palästinensischen Gebieten und Jordanien an Universitäten und Fachhochschulen des Landes NRW wird vom Akademischen Auslandsamt der Bergischen Universität koordiniert. Ziel: begabte Studierende sollen die Forschungslandschaft und das Hochschulwesen in Nordrhein-Westfalen kennen lernen. Dadurch sollen neue wissenschaftliche Kooperationen initiiert und bereits bestehende weiter intensiviert werden.

Die jeweiligen Gasthochschulen können darüber hinaus exzellente wissenschaftliche Nachwuchskräfte aus dem Nahen Osten kennen lernen und für eine Postgraduiertenausbildung interessieren. Die Stipendiat*innen sollen bei ihren 8-12-wöchigen Aufenthalten die Möglichkeit erhalten, Forschungsarbeiten (z.B. Messungen, Modellrechnungen, Archivstudien etc.) an Instituten der Hochschulen durchzuführen, die für die Erstellung ihrer Abschlussarbeiten von Belang sind.

Die Stipendien werden vom Land NRW bereit gestellt und über das Ministerium für Kultur und Wissenschaft ausgezahlt. Interessent*innen an einer Aufnahme von Stipendiat*innen wenden sich bitte an die Leiterin des Akademischen Auslandsamtes, Andrea Bieck (bieck{at}uni-wuppertal.de; Tel.: 0202 439 2181).