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Was macht Hartz IV mit den Menschen?
HartzPlus – eine Studie zur psychosozialen Situation von Hartz IV-Beziehenden

„Die Debatte um Hartz IV ist bislang von ungeprüften Annahmen sowie von denen geprägt, die aus interessenpolitischer Perspektive Stellung beziehen. Wir wollen verlässliche Daten zur Situation von Empfängerinnen und Empfängern des Arbeitslosengeldes liefern: Wie verändert Hartz IV ihr Leben? Mit welchen psychosozialen Folgen müssen sie rechnen?“ So umschreibt Prof. Dr. Rainer Wieland die Ausrichtung einer Studie des Berliner Vereins Sanktionsfrei, die er wissenschaftlich begleitet. Ziel sei es, so der Arbeitspsychologe der Bergischen Universität, neue Impulse für die Gestaltung der Arbeit und der Sozialsysteme von morgen zu setzen.

Foto: Colourbox

Grundlage des Projektes sind von der Arbeitspsychologie erforschte psychosoziale Wirkungen von Arbeit bzw. Arbeitslosigkeit. Prof. Dr. Wieland: „Psychisches, soziales und körperliches Wohlbefinden wird durch psychosoziale Sicherheit gefördert. Wer Hartz IV empfängt, hat diese Sicherheit nicht. Ganz im Gegenteil: Hartz-IV-Beziehende haben das Gefühl, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren. Sie sind häufig entwürdigenden Prozeduren und Situationen ausgesetzt; Sanktionen wirken schon, bevor sie ausgesprochen werden.“ Dieser Kontrollverlust wiederum wirke demotivierend, mache krank und werde zu einem der zentralsten Stressfaktoren im Leben eines Menschen, erklärt der Leiter des Wuppertaler Instituts für Unternehmensforschung und Organisationspsychologie (WIFOP).

Aktuell läuft in dem Projekt die Rekrutierungsphase. Gesucht werden 500 Hartz IV-Empfängerinnen und Empfänger. Die eine Hälfte erhält im Rahmen der bis 2022 laufenden Studie die Garantie, dass sie das Hartz-IV drei Jahre lang ohne Sanktionen beziehen kann. Um die Umsetzung kümmert sich Sanktionsfrei e.V. Der gemeinnützige Verein stellt den Fehlbetrag zur Verfügung, falls der Hartz IV-Satz gemindert wird. Die andere Hälfte fungiert als Kontrollgruppe: Ihre Mitglieder erhalten unverändert Hartz IV und müssen gegebenenfalls mit Sanktionen rechnen. „Zu Beginn der Studie erheben wir bei beiden Gruppen die relevanten Persönlichkeitsmerkmale – von der Eigeninitiative über die psychosoziale Befindlichkeit bis zur Gesundheitskompetenz“, erläutert Prof. Dr. Wieland das Design. „Im weiteren Verlauf erfassen wir dann an mehreren Zeitpunkten die psychische Befindlichkeit und das Kontrollerleben. Zusätzlich werden qualitative Interviews durchgeführt und ausgewertet.“

Wer sich an der Studie beteiligen oder mehr zum Hintergrund erfahren möchte, findet unter www.hartz-plus.de weitere Informationen.