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Honorarprofessor Dr. phil. nat. Lutz Bertling verstorben – ein Nachruf

Die Bergische Universität Wuppertal trauert um ihren langjährigen Honorarprofessor Dr. Lutz Bertling. Er verstarb am 26. Januar 2019 nur wenige Wochen nach seinem 90. Geburtstag. Geboren wurde er am 8. November 1928 in Brochterbeck, einem kleinen Örtchen am Fuß des Teutoburger Waldes. Nach dem 1949 in Tecklenburg abgelegten Abitur folgte das Studium der Lebensmittelchemie in Marburg an der Lahn. Dort wurde er Vorlesungsassistent beim damaligen Lehrstuhlinhaber Prof. Böhme, der auch seine 1957 abgeschlossene Doktorarbeit zum Thema „Über den Nachweis der Konservierungsmittel Diphenyl und Sorbinsäure in Lebensmitteln“ betreute. Parallel zu seiner Promotion war er als nebenamtliche Lehrkraft an der Berufsschule Marburg für die Fächer Chemie und Physik tätig. Hier legte er den Grundstock für seine unvergleichliche Art, naturwissenschaftliche Erkenntnisse in verständlicher und praxisrelevanter Weise zu vermitteln.

Honorarprofessor Dr. phil. nat. Lutz Bertling
Foto: Frank Telöken

Ab 1957 wurde dann das Chemische Untersuchungsamt der Stadt Wuppertal für 35 Jahre seine berufliche Heimat, zunächst als Mitarbeiter und ab 1964 als Leiter, der 1969 das Unter­suchungsamt Solingen eingliedern konnte und der 1973 zum Amtschemiker für diese beiden Städte und zum Leitenden Chemiedirektor des „Gemeinschaftlichen Chemischen Unter­suchungsinstituts der Städte Wuppertal und Solingen“ ernannt wurde. Wie schon in Marburg hat er sich auch in Wuppertal nicht mit seinen beruflichen Hauptaufgaben begnügt. Nach einer 11-jährigen Tätigkeit in der Ausbildung medizinisch-technischer Assistentinnen war er dann weitere 20 Jahre Lehrbeauftragter der Universität Wuppertal, zunächst für Lehramts­studierende und schließlich für Studierende der Lebensmittelchemie.

Er war einer der Mitinitiatoren, dass dieses sonst in NRW nur noch in Münster und Bonn ver­tretene Studienfach 1982 an der damaligen Universität - Gesamthochschule Wuppertal ein­gerichtet wurde. Für seinen Einsatz bei der Etablierung des Studiengangs Lebensmittel­chemie wurde er 1981 mit der Ernennung zum Honorarprofessor geehrt. Bis 1996 hat er dann als Lehrbeauftragter die Studierenden der Lebensmittelchemie schwerpunktmäßig in den Fächern Lebensmittel- und Verwaltungsrecht ausgebildet und als Mitglied des Staatli­chen Prüfungsausschusses geprüft. Dabei ist es ihm gelungen, diesen oft als „trocken“ emp­fundenen Stoff didaktisch brillant aufzuarbeiten und höchst anschaulich und verständlich zu vermitteln. Dazu ein Zitat aus einer seiner Vorlesungen: „Qualität ist, wenn der Gast wieder kommt, nicht das Essen“.

In der Fachwelt hat er große Anerkennung als Experte für lebensmittelrechtliche und -analytische Fragen erlangt, insbesondere auf dem Gebiet von Fleisch und Fleischwaren. Er war Sachverständiger vor Gericht, beim Wirtschafts- und Sozialausschuss der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel und wegen seiner Bereitschaft, sich bei Lebensmittel-Reizthemen der öffentlichen Diskussion zu stellen, und seiner Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge bei Verbraucherschutz, Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelqualität verständlich auf den Punkt zu bringen, war er begehrt als Referent sowie als Interviewpartner bei vielen Rund­funk- und Fernsehsendungen. Sein Werk ist in zahlreichen Fachpublikationen dokumentiert. Hervorzuheben ist sein Buch „Erlaubt – Verboten in Gastronomie und Gemeinschaftsverpfle­gung“, das bis zur 13. Auflage im Jahr 2013 von ihm als alleinigem Autor verfasst und konti­nuierlich überarbeitet wurde; weiterhin zu nennen sind seine langjährige Co-Autorenschaft an der heute in 39. Auflage erschienenen Loseblattsammlung „Lebensmittelrechts-Hand­buch“ und seine Beiträge zum „Lebensmittelbrief “, dessen Mitbegründer er war und für den er noch bis zu seinem Tod Mitglied des Wissenschaftsbeirates war und eigene Artikel ver­fasst hat. Als langjähriger Kuratoriumsvorsitzender der Heinrich-Stockmeyer-Stiftung wurde er 2008 mit der Hans-Jürgen Sinell-Medaille geehrt.

Unverwechselbar war Herr Bertling dafür, kein Blatt vor den Mund und sich die Freiheit zu nehmen, mit humorvoller Provokation das zu sagen, was er denkt. Sein Leben lang hat ihn neben der Begeisterung für seinen Beruf die private Freude an der Familie, der Jagd und dem Botanisieren begleitet. Mit ihm haben wir einen einzigartigen, humorvollen, leiden­schaftlichen und klugen Menschen verloren.

Univ.-Prof. i.R. Dr. Michael Petz

(Professor für Lebensmittelchemie an der Bergischen Universität 1989 bis 2016)